10 Dinge, die mehr wasser sparen, als Wassersparen

Welche Hebel wir als Bürger:innen in der Hand haben, um verantwortungsvoll mit dieser Ressource umzugehen

Mitte Juli hat unser neuer Oberbürgermeister Dominik Krause verkündet, dass in unserer Stadt nun Wassersparen angesagt ist. Die Gründe hierfür sind erstens der extrem angestiegene Wasserverbrauch von Ende Juni – so haben wir pro Kopf und Tag etwa 223 Liter statt der „normalen“ 186 Liter verbraucht. Klar, wenn es so heiß ist, duscht man häufiger, kühlt sich gerne im heimischen Plantschbecken ab und auch Rasen und Blumen schreien öfter nach mehr Wasser.

Neben dem zwanzig (!) prozentigen Anstieg des Wasserverbrauches ist der zweite Grund die anhaltende Trockenheit. Denn durch den sehr trockenen Winter und den ausbleibenden Regen im Frühjahr (das Frühjahr 2026 war das trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881) konnte sich kaum neues Grundwasser bilden, sodass die Reserven extrem strapaziert sind. Da hilft auch der Regen der letzten Tage nicht wirklich weiter – gerade dann, wenn wir uns in der zweiten krassen Hitzewelle dieses Sommers mit über 38 Grad in München befinden.

Hitze und versiegelte Flächen - keine gute Kombi

Gerade in der Großstadt, wo die Flächen stark versiegelt sind, senkt Hitze den Grundwasserspiegel weiter: mehr Wasser verdunstet, Beton und Asphalt verhindern, dass Regenwasser in den Boden gelangt und die Grundwasserspiegel auffüllen kann. Ausgetrocknete Böden sind hart wie Stein, sodass kaum Feuchtigkeit versickern kann. Plötzlicher Starkregen fließt ungenutzt in die Kanalisation – oder richtet durch Überschwemmungen Schlimmeres an.

Was können wir als Bürger:innen also, neben den durch unseren OB verordneten Sparmaßnahmen, noch tun, um gegen zu wirken?

  • Konsequent auf Recyclingpapier setzen spart durchschnittlich 4.100 Liter pro Jahr. Frischfaserpapier benötigt in der Herstellung 10 Liter Wasser – für ein einziges DIN A4 Blatt. Recyclingpapier benötigt die gleiche Menge für 100 Blatt Papier. Außerdem werden für Frischfaserpapier Bäume gefällt, die nicht nur CO2, sondern eben auch Wasser speichern. Ein besonderes Augenmerk darf gerne auf Hygienepapier gelegt werden, also Klopapier, Taschentücher, Küchenrolle. Denn während Kopierpapier, Schulhefte und Briefumschläge aus Frischfasern zumindest dem Recyclingkreislauf zugeführt werden können, gehen Hygienepapiere nach einmaliger Nutzung einfach in die Tonne.
  • 1 T-Shirt aus Biobaumwolle kaufen, statt 5 Fast-Fashion-Teile spart 12.400 Liter Wasser. Fast Fashion Labels bauen Baumwolle häufig in sehr trockenen Regionen an und entziehen den Böden so noch mehr Feuchtigkeit. Zudem setzten sie auf schnelles Wachstum und bewässern die Felder künstlich und ineffizient. Färben und Bleichen benötigen erstens Unmengen an Wasser und sorgen zudem für extrem verunreinigte Abwässer, die teils ungefiltert in Gewässern landen. Außerdem entstehen durch die Wegwerfmentalität extreme Müllberge, in denen das für die Produktion benötigte Wasser dann ungenutzt „gebunden“ ist.
  • Ein einziges Produkt im Mehrweg- statt im Einwegglas kaufen spart 300 Liter Wasser.

    Davon ausgehend, dass ein Mehrwegglas 50 Mal wieder befüllt wird, statt Neuglas herzustellen bzw. Altglas zu recyceln. Trotz des Spülvorgangs spart also die Wiederverwendung von Mehrweggläsern große Mengen Wasser. Wer also nicht nur Bier, sondern auch Senf, Nussmus, Pesto und Co. im Mehrwegglas kauft, kann die 300 Liter entsprechend hochrechnen.

  • 30 qm Naturgarten sparen im Vergleich zu Schottergärten 24.000 Litter Wasser pro Jahr. Naturgärten speichern mehr Wasser – sie bauen eine Humusschicht auf, Pflanzen kühlen die Umgebung und verringern die Verdunstung, Regenwasser wird gespeichert, statt ungenutzt abzufließen. Von der entstehenden Artenvielfalt ganz zu schweigen…
Der Garten meiner Kollegin Steffi von Groß & Klein Unverpackt in Solingen
  • Biolebensmittel kaufen schützt 22.500 Liter Wasser. Im Ökologischen Landbau werden keine synthetischen Pflanzenschutzmittel verwendet, die ins Grundwasser sickern. Ein humusreicher Boden kann bis zu 5 x mehr Wasser speichern, als ein durch konventionelle Landwirtschaft ausgelaugter. Zudem ist die Herstellung von synthetischem Stickstoffdünger extrem Wasserintensiv – die Biolandwirtschaft setzt unter anderem auf Fruchtfolge, Kompost oder heimischen Dung.
  • Die Nutzung von Ökostrom spart in einem durchschnittlichen Singlehaushalt 1.500 – 3.000 Liter Wasser.

    Windkraft und Photovoltaik benötigen KEINE thermischen Kühlsysteme.

  • Unverpackt Einkaufen hat ein Potenzial von 4.500 Litern Wasser pro Person und Jahr. Die Herstellung von Papier, Glas und Plastik ist nicht nur energie-, sondern auch wasserintensiv. Unverpackt Einkaufen spart im Durchschnitt 84 % Verpackung ein. Die Verpackung, die bleibt, ist unbedruckt und schont somit unsere Abwässer. Mehrweggläser sparen trotz Spülung eine Menge Wasser im Vergleich zu Einwegglas. Bedarfsgerechter Einkauf minimiert Lebensmittelverschwendung.

  • 500 km mit den Öffis statt mit dem Auto fahren spart rund 1.000 Liter Wasser. Die Förderung, der Transport und die Raffinierung von Erdöl zu Benzin / Diesel verschlingt gewaltige Mengen Wasser. Auch die Produktion, die Pflege und der Betrieb des Autos sorgt für einen riesigen Wasser-Fußabdruck.

  • Leitungswasser statt Flaschenwasser spart zwischen 1.500 und 7.000 Litern Wasser pro Jahr. Die genaue Menge hängt davon ab, woher das Wasser kommt, in welche Flasche es abgefüllt wird (Einweg versus Mehrweg / Glas versus Plastik) und welches Unternehmen man ggf. unterstützt (eine heimische Quelle versus Nestlé / Coca Cola / Pepsico, oder andere „Hersteller“ von Wasser, die in trockenen Regionen Wasser abpumpen)

  • Pflanzliche Ernährung spart 1.300 Liter – PRO TAG. Das sind 475.00 Liter pro Jahr. Und wer jetzt sagt, vegan könnte er / sie nicht: gar kein Problem. Wer sich an jedem zweiten Tag vegan ernährt, spart immer noch 237.500 Liter. Und so weiter, und so fort. In Grautönen, statt schwarz-weiß. Unsere Ernährung ist einer der größten Hebel, den wir als Konsument:innen in der Hand haben – und den wir selbst 3-5 Mal täglich neu bedienen können.

Wasser ist die wertvollste ressource, die wir haben.

Lasst uns entsprechend damit umgehen – und bei jeder Wahl unser Kreuzchen bei den Parteien setzen, die es uns einfacher und vor allem weniger notwendig machen.

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